Mai 14, 2021

Das ist Beitrag 32/100 der #100DaysToOffload-Challenge. Mein Ziel ist, hier mindestens 100 Beiträge im Jahr 2021 zu schreiben. So möchte ich für mich das Bloggen zur Gewohnheit machen.

Die letzten Tage habe ich mit einem einfachen Teleprompter herumexperimentiert. Die Gründe dafür und Erfahrungen damit beschreibe ich im heutigen Beitrag.

Teleprompter-Setup

Ich besitze den Desview T2 Teleprompter für gut 100 EUR. Das Grundprinzip ist bei allen Telepromptern dieser Preisklasse das gleiche: Eine spiegelnde Glasscheibe, befestigt in einem Blech- oder Kunststoffgehäuse, wird im 45°-Winkel vor die Kamera geschraubt. Auf einer Halterung davor wird ein Smartphone oder kleines Tablet gelegt, dessen Bild auf die Glasscheibe projiziert wird. Wenn Du auf das gespiegelte Bild blickst, blickst Du gleichzeitig direkt ins Kameraobjektiv. Allerdings muss das Bild auf dem Smartphone auf den Kopf gestellt sowie horizontal gespiegelt dargestellt werden, um als Spiegelbild auf der Glasscheibe wieder richtig ausgerichtet zu sein. Und hier wirds leider oft trickreich.

Hinter dem Teleprompter sitzt in meinem Fall eine Sony Alpha 6000 Kamera mit Sigma 30mm F1,4 Objektiv. Es passen aber auch andere Kameras oder sogar eine Smartphonekamera hinter den Teleprompter (für dieses Setup würdest Du dann also zwei Smartphones bzw. ein Smartphone und ein Tablet benötigen).

Wofür möchte ich dieses Setup nutzen?

Schnelle Impulsvideos einsprechen (Kamera-only, kein PPT)

In letzter Zeit produziere ich beruflich immer mal wieder schnelle, kleine Impulsvideos, z. B. um die Kolleg*innen über Produktentwicklungen zu informieren. Meist mache ich das spontan und frei, aber manchmal möchte ich bestimmte Dinge nicht vergessen, sind mir Formulierungen oder auch eine besonders flüssige und überzeugende Präsentation wichtig.

Wenn ich dabei in die Kamera sprechen möchte, kam ich bisher um Üben und mehrfache Aufnahmen oft nicht herum. Dazu fehlt mir aber oft die Zeit. Ein Teleprompter ist eine tolle Hilfestellung, denn ich schreibe meinen Text vollständig oder in Stichworten vor und lasse ihn mir dann in den Teleprompter projizieren. Natürlich ersetzt das keine gut einstudierte Rede, aber ich empfinde es als brauchbaren Kompromiss … insbesondere dann, wenn die Stichworte oder der vorformulierte Text im Stil gesprochener Sprache verfasst sind.

Wenn ich ausschließlich meinen sprechenden Kopf aufnehmen möchte und keine Unterstützung durch PPT-Folien o. ä. benötige, ist das Vorgehen einfach. Ich lade meinen Sprechertext in eine Teleprompter-App, die den Text gespiegelt, groß in weißen Buchstaben auf schwarzem Grund und in der richtigen Geschwindigkeit scrollend darstellt. Dem Teleprompter ist eine kleine Bluetooth-Fernbedienung mitgeliefert, mit der ich das Textscrolling pausieren bzw. seitenweise weiter blättern kann. Ich finde es aber einfacher, die richtige Scroll-Geschwindigkeit zu finden und den Text dann automatisch durchlaufen zu lassen.

Da ich die mitgelieferte App in der Bedienung und Stabilität nicht überzeugend fand, habe ich mir im Appstore eine etwas bessere App gekauft, deren UI zwar ähnlich krude ist, die aber ein paar hilfreiche Funktionen bietet, z. B. den Import von Word-Dokumenten.

So sieht das dann aus … auf dem Smartphone und gespiegelt auf der Teleprompter-Scheibe:

Ich starte also den Textdurchlauf und spreche meinen Text (möglichst so, als würde ich nicht ablesen … ich glaube aber, dass ich das mittlerweile einigermaßen ordentlich hinbekomme), in die hinter dem Spiegelbild noch leicht durchschimmernde Kameralinse.

Bei Videokonferenzen die Gesprächspartner*innen direkt anschauen

Mindestens genauso spannend finde ich die Möglichkeit, dank des Teleprompters Gesprächspartner*innen in einem Videocall direkt ansehen zu können. Ich empfinde es in guten Gesprächen mit Menschen via Teams oder Zooms mittlerweile als Manko, dass wir immer ein bisschen aneinander vorbeischauen, weil wir unser Gegenüber auf dem Monitor sehen, die Webcam aber darüber sitzt. Und noch seltsamer ist es, wenn die Webcam im Laptop neben dem Hauptbildschirm sitzt, wir uns also im Halbprofil über die Schulter reden.
Ich hatte schon vor dem Teleprompter-Test versucht, die Situation durch zwei Monitore mit einer dazwischen montierten Webcam zu verbessern. Außerdem hatte ich die Videostreams meiner Gesprächspartner*innen immer klein und möglichst weit nach oben in Richtung Webcam platziert, aber so richtig überzeugend war das Ergebnis dennoch nie.

Mit dem Teleprompter kann ich meinen Gesprächspartner*innen jetzt ins Gesicht sehen, indem ich ihr Videobild in den Teleprompter projiziere. Dazu nutze ich mein iPhone über die App Duet Display als externen Monitor, ziehe das MS Teams Fenster auf den iPhone-Monitor und lege das iPhone in den Teleprompter.

In diesem Foto beispielhaft in einem einsamen Gespräch mit mir selbst …

Zugegeben: Das funktioniert so nur bei Gesprächen in kleiner Runde, da die Videostreams der Gesprächspartner*innen auf dem iPhone-Display ansonsten viel zu klein werden. Aber für Gespräche, bei denen mir ein überzeugender und persönlicher Blickkontakt besonders wichtig ist oder für Videoaufnahmen von Diskussionsrunden werde ich dieses Setup in Zukunft nutzen.

Eine Einschränkung in dieser einfachen Lösung ist, dass die App Duet Display keine Spiegelung des Monitorbildes ermöglicht. Für die Darstellung von Gesichtern ist das kein Problem, aber wenn mein Gegenüber Bildschirminhalte teilen würde, könnte ich diese nicht lesen.

Online-Präsentationen mit Powerpoint-Folien und Blick in die Kamera

Ein weiterer Anwendungsfall ist die Präsentation mit Powerpoint – entweder mit einer Projektion der Folien selbst oder der Sprechernotizen auf den Teleprompter.

Für ersteres habe ich eine Beschreibung des Vorgehens auf Youtube gefunden, die ich demnächst ausprobieren möchte:

Ein großer Nachteil ist hier die aufwendige Spiegelung der Folien, durch die auch das Nutzen von Animationen fast unmöglich gemacht wird. Da ich aber noch nie mit virtuellen Kameras über OBS gearbeitet habe, reizt es mich, das einmal auszuprobieren.

Etwas leichter ginge es wahrscheinlich mit der 99€ kostenden Software PPT-Mirror, die letztendlich aber auch nichts weiter zu tun scheint als das, was ich auch manuell vorbereiten kann.

Was mir allerdings beim testweisen Projizieren von PPT-Folien mit hellem Hintergrund auf den Teleprompter aufgefallen ist: Die Helligkeit fällt als Streulicht in die Kameralinse und sorgt dafür, dass die Qualität des Kamerabildes leidet. Außerdem bilde ich mir ein, dass der Autofokus der Kamera dadurch Probleme bekommt. Ein Teleprompter scheint also wirklich am besten mit weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund zu funktionieren …

Online-Präsentation mit Sprechernotizen im Blick

… wie das ja glücklicherweise bei den PPT-Sprechernotizen der Fall ist.
Gestern habe ich versucht, die PPT-Sprechernotizen in einem eher umständlichen Prozedere auf den Teleprompter zu übertragen. Dazu wollte ich das Sprechernotizfeld aus der Powerpoint-Referentenansicht als Bildschirmausschnitt über OBS abgreifen, sie durch OBS spiegeln lassen und per UDP auf den VLC-Player im iPhone streamen (oder einfacher ausgedrückt: die PPT-Sprechernotizen gespiegelt auf dem iPhone darstellen … drahtlos per Stream zwischen Computer und iPhone) Theoretisch müsste ich so komfortabel den Sprechertext für die jeweilige Folie im Teleprompter ablesen können, meinen „Spickzettel“ also beim Blick in die Kamera jederzeit vor Augen haben.

Ich habe mich für das Streaming an das in diesem Artikel beschrieben Vorgehen gehalten, habe es aber nicht geschafft, dass VLC den Stream angezeigt hat. Es gab auf dem Mac und dem PC unterschiedliche Fehlermeldungen … und ich hatte keine große Lust, mich noch weiter darin einzuarbeiten.

Aber heute früh unter der Dusche 😉 kam mir eine bessere Idee: Dank Duet Display muss ich ja gar nichts streamen! Es reicht ja völlig aus, das Vorschaufenster von OBS auf das iPhone-Display zu legen.

Ich habe also den Bildschirmausschnitt, auf dem in der Powerpoint-Refentenansicht die Sprechernotizen dargestellt werden, per OBS gespiegelt und diese Spiegelung per Duet Display auf das iPhone gezogen. Und es funktioniert:

Auf diese Weise kann ich die ganz regulären Folien präsentieren und habe, wenn ich in die Kamera schaue, die Sprechernotizen immer im Blick.

100DaysToOffload: Wenn Du wissen willst, warum ich diesen seltsamen Hashtag so oft verwende, lies Dir gerne die Erläuterungen zur Challenge auf https://100daystooffload.com/ durch. Vielleicht hast Du auch Lust, mitzumachen?

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