Januar 18, 2021

Das ist Beitrag 10/100 der #100DaysToOffload-Challenge. Mein Ziel ist, hier mindestens 100 Beiträge im Jahr 2021 zu schreiben. So möchte ich für mich das Bloggen zur Gewohnheit machen.

Seit Anfang 2020 gönne ich mir jeden Montag meinen Lern- und Herzenstag. Zunächst mit einem Urlaubstag pro Woche, ab Mai dann unter der offiziellen Bezeichnung „Teilzeit“. Es sind keine Tage, an denen ich „frei habe“ oder an denen ich „nicht arbeite“. Aber es sind Montage, die ich genau so gestalten darf, wie es sich richtig für mich anfühlt.

Tage, an denen ich …

… endlich einmal die Texte zu Ende lese, die ich sonst nur überfliege.

… die über die Woche aufgelaufenen Lesezeichen in Pocket, LinkedIn und Twitter durchforste, mich dahinter vertiefe oder sie verwerfe.

… vorfreudig ein neues Buch aus dem Bücherstapel ziehe – mit dem Wissen, dass ich darin viele Seiten lesen darf und nicht nur eine bestimmte Stelle heraussuchen.

… mit meinem Sohn auf der Couch oder im Garten liege und vorlese.

… mich mit Menschen aus meinem Netzwerk zum Videocall treffe.

… mich für irgend einen obskuren MOOC anmelde und mich schon beim Betreten der Plattform wie im Candyshop fühle.

… mich in die Badewanne lege und einen Podcast höre.

… zum See radel und baden gehe.

… eine Laufstrecke betrabe, die für den Morgen oder die Mittagspause zu lang ist.

… (un)geliebte Termine wahrnehme, die mich an anderen Werktagen unter Stress setzen würden.

… das Homeschooling des Sohns begleite.

… das Wochenende um einen weiteren vollen Familientag verlängern darf.

Es sind allerdings auch Tage,

… an denen ich an beruflichen Themen arbeite, die ich gerne besonders gut machen möchte, weil sie mir besonders wichtig sind und mich begeistern.

… an denen ich längere Texte lese oder Tools ausprobiere, die ich für meine Arbeit benötige, für die ich mir während eines regulären Arbeitstages aber nur schwer die benötigte Ruhe nehmen kann.

… an denen ich berufliches lerne, ohne mich gedanklich vor mir selbst zu rechtfertigen, ob ich ein ‚angemessenes‘ Zeitmaß dafür aufwende.

… an denen ich an Themen arbeite, weil ich sie im Lauf der vergangenen Woche nicht geschafft und den Montag gedanklich als ‚Puffer‘ vor mir hergetragen habe.

… an denen mich tatsächlich nichts berufliches beschäftigt, weil mir mein Montag so heilig ist, dass ich alles liegengebliebene bereits am Wochenende erledigt habe, um den Montag wirklich „frei“ zu haben. 😉

Anfangs dachte ich, ich müsse mir einen Plan für meine Montage machen, um sie ‚gut‘ zu nutzen. Auf jeden Fall lange laufen. Die schwierigen Texte lesen, für die ich an den anderen Tagen zu müde bin. Einen Text schreiben, für den ich sonst nicht genug Zeit am Stück finde.

Das war nicht nur undurchführbar, sondern auch Blödsinn.

Ich glaube, der Kern meines „Lern- und Herzenstags“ ist, dass ich gerade nicht effizient sein muss. Dass ich mit Freude Zeit zum Lernen als Selbstzweck verschwenden darf. Und es deshalb so genieße.

Der gleich beginnende Montag wird eng durchgetaktet sein. Mit verschiedenen Arztterminen der Familie überall in Berlin, einer Online-Besprechung der Grundschul-„Digital-Gruppe“ und nachmittags noch Online-Unterricht des Sohns. Dieser Montag wird vielleicht auch einer der Montage sein, die halt sein müssen, weil sonst keine Zeit dafür bleibt. Dennoch brauche ich ihn gerade deshalb.

Ich kann mir schon jetzt nicht mehr vorstellen, ohne meinen „freien“ Tag zu sein.

Das wird mich auch in den kommenden Beiträgen noch beschäftigen:
Wann nehmen wir uns Zeit zum Lernen? Wie finden wir Zeit für unsere Neugier? Welche Zeit schenken wir den Menschen um uns herum, unserer und ihrer Gesundheit? Ich habe das Gefühl, diese Fragen beschäftigen gerade nicht nur mich, sondern viele Menschen, mit denen ich mich in den letzten Monaten ausgetauscht habe. Auch im Beruf wird das Thema „Lernzeit“ immer häufiger angesprochen. Manchmal emotional, manchmal nüchtern-planerisch. Und manchmal als Ausdruck eines Bedürfnisses wie dem meinen, so zu lernen, wie es mir am besten liegt. Ohne Rechtfertigung, ohne Aufrechnen, ohne Beleg, selbst ohne der Notwendigkeit, ‚Vertrauen geschenkt zu bekommen‘. Und manchmal vielleicht sogar ohne Ziel. Aus purer Lernlust heraus.

#100DaysToOffload: Wenn Du wissen willst, warum ich diesen seltsamen Hashtag so oft verwende, lies Dir gerne die Erläuterungen zur Challenge auf https://100daystooffload.com/ durch. Vielleicht hast Du auch Lust, mitzumachen?

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