Februar 15, 2021

Das ist Beitrag 18/100 der #100DaysToOffload-Challenge. Mein Ziel ist, hier mindestens 100 Beiträge im Jahr 2021 zu schreiben. So möchte ich für mich das Bloggen zur Gewohnheit machen.

„Nicht jedes Buch möchte auf die gleiche Art gelesen werden“ stellt Matthias Wiencke in seinem Blogpost „Lesen als Lernmethode“ fest. Nicht nur, weil Matthias dort einen kleinen Retweet von mir zitiert und weil er mich auf das Konzept der „Antilibrary“ aufmerksam machte, fühle ich mich eingeladen, ein paar Gedanken aus meiner Perspektive zu ergänzen.

Wie lese ich eigentlich Bücher – auch in Abgrenzung zu anderen Texten, die mir z. B. auf dem Bildschirm im Internet begegnen? Und welche Praktiken haben sich für mein Lesen herausgebildet?

Ich kaufe, besitze und ich lese gerne Bücher. Ich liebe es, in Büchern zu blättern. Klappe sie auf, überfliege ein paar Sätze, wühle Seiten umschlagend nach bestimmten Stellen, die mir in Erinnerung geblieben sind oder von denen ich mir erhoffe, einen ersten Einblick in das Buch zu erhalten. Ich räume und sortiere gerne Bücher um, weil mir auf diese Weise Titel in die Hände geraten, an die ich mich nicht mehr erinnere -oder die mich an vergangene Situationen, Zeiten und Stimmungen erinnern. Oder an Themen und Fachgebiete, für die ich mir hochmotiviert einen Handapparat zusammentrug, nur um sie dann im Alltag wieder zu verlieren. Ich kann auf diese Weise Stunden in Buchhandlungen, Bibliotheken oder in meinen eigenen Büchern verbringen.

Mein Verhältnis zum Format von Büchern ist konservativ. Ich habe in meinem Leben vielleicht eine Handvoll eBooks gekauft – aber auch nur, weil es die Titel gedruckt einfach nicht gab und nie gegeben hat. Filme und Musik genieße ich meistens über Streaming-Dienste, aber bei Büchern bleibe ich dem gedruckten Exemplar treu. (Gerade eben nachgesehen: Meine Audible-Hörbuchbibliothek umfasst sehr überschaubare 29 Titel, von denen ich die meisten kaufte, weil ich Lust auf die Autor*innen-Lesung hatte – oder weil ausnahmsweise mal eine lange Autofahrt anstand, in der mir ein Podcast nicht gereicht hätte.) Weil ich gedruckten Büchern so viel abgewinnen kann, stehen davon viele um mich herum. Beide Wände meines länglichen Arbeitszimmers bedecken Regale. Wenn ich an meinem Schreibtisch sitze, blicke ich auf die Rücken der Fachbücher. In meinem Rücken, an der gegenüberliegenden Wand, reiht sich Belletristik.

Vor dem Fenster steht ein zerschlissener Lesesessel meiner Uroma, von dem aus ein Gewühl an noch nicht oder nur angelesenen Büchern greifbar ist. Das ist mein Leseort und meine Antilibrary (ein Begriff, auf den mich ebenfalls Matthias gebracht hat). Hier stapeln und schichten sich die drängendsten Lesewünsche und Leseideen. Manche Bücher liegen dort ewig. Andere wandern nach wenigen Tagen hoch in die Regalreihen mit Büchern, die entweder schon gelesen sind oder deren Lektüre ich auf später verschoben habe. Manche Bücher liegen dort für den wachen Tag, andere für die schlaflose Nacht. Manche Titel sind tief ins Regal geschoben, um Platz für den Kaffeebecher, das Wasser- oder Weinglas zu machen.

Mein Lesesessel

Auch wenn -oder weil?- dieser Sessel mein bevorzugter Leseort ist, merke ich, dass hier viele Ablenkungen locken. Andere Bücher als das, das ich gerade lese. Der Schreibtisch nebenan. Die Stereoanlage. Oder das in Griffweite liegende Smartphone.

Gerade das Smartphone gleitet mir immer wieder in die Hände, obwohl ich es stumm geschaltet und alle Benachrichtigungen deaktiviert habe. Manchmal lege ich es bewusst in einen anderen Raum. Aber dann stoße ich mit Sicherheit auf eine Passage, die ich festhalten oder twittern möchte, eine zu verfolgende Fußnote, einen zu recherchierende Person, ein zusätzlich zu erwerbendes Buch.

Und dann merke ich, dass mein liebstes Lese-Erlebnis eigentlich ein halb-durchlässiges ist, das permanent zwischen Fokus und Abschweifen oszilliert. Ich möchte mich auf das Buch konzentrieren, aber ich möchte während der Lektüre auch aus dem Buch heraus lesen und denken, Verbindungen knüpfen zu weiterführenden Texten, zu Quellen, zu Ideen und zu Menschen, die das Buch mit mir lesen. Ich möchte Passagen aus dem Buch twittern und auf Twitter Lieblingspassagen anderer Leser*innen finden und kommentieren – so wie dies z. B. im vergangenen Sommer bei der Lektüre des Buches „Grasswurzelinitiativen“ von Sabine und Alexander Kluge gelang, weil gefühlt gerade jede*r damit im Garten saß und Zitate teilte. Ich möchte über die Fußnote auf die vollständige Quelle des Zitats springen und so auf Abwegen zu neuen Themengebieten gelangen, zu denen ich mir gleich weitere Bücher in meine Antilibrary holen kann. Ich möchte mir die Hypermedialität bauen, die das gedruckte Buch nur vorschlägt, dem Lesenden aber zu eigenen Ausgestaltung übergibt. Als Knotenpunkt in einem endlosen Netz weiterer Texte und Ideen, an die uns die Bücher erinnern.

Denn so, schreibt Eva Feix in ihrer Verarbeitung des Konzepts der Antibibliothek, „ist es mir erlaubt, das Wissen aufzunehmen, was mir gerade am wertvollsten erscheint, irgendein Wissen. Aus allem zu lernen, was mir begegnet, in meinem Tempo, in meiner Menge, auf meine Art. Sozusagen völlig ungezwungen.“

#100DaysToOffload: Wenn Du wissen willst, warum ich diesen seltsamen Hashtag so oft verwende, lies Dir gerne die Erläuterungen zur Challenge auf https://100daystooffload.com/ durch. Vielleicht hast Du auch Lust, mitzumachen?

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