März 1, 2021

Das ist Beitrag 21/100 der #100DaysToOffload-Challenge. Mein Ziel ist, hier mindestens 100 Beiträge im Jahr 2021 zu schreiben. So möchte ich für mich das Bloggen zur Gewohnheit machen.

Am kommenden Donnerstag ist #CLC21 HH, das in diesem Jahr erste von „normalerweise“ zweimal im Jahr stattfindenden überregionalen Corporate Learning Community Barcamps.

Dieses Mal werde ich eine Session zu einem Thema einbringen, das schon sehr gereift scheint und nur wenig mit trendy Buzz EdTech SocialLearning zu tun hat. Das gute alte „Lernen durch Schreiben“.

Ich erinnere mich dunkel, dass das Thema in einer der allerersten Sessions war, die ich im Rahmen eines CLC-Barcamps erlebte. Damals in Frankfurt auf dem #CLC17 diskutierten wir über Lernportfolios in der Ausbildung (leider erinnere ich mich nicht mehr, in welcher Session das war). Und Karlheinz Pape führte uns in das Lernen durch Twittern ein. Von ersterem habe ich bis heute leider wenig Ahnung und keine Erfahrung. Aber das Twittern als eine Art ‚öffentliches Notizbuch‘ habe ich liebgewonnen und bis heute beibehalten.

Unterschwellig hat mich das Thema „Lernen durch Schreiben“ über die Jahre begleitet, ohne dass ich ihm je konzentriert Aufmerksamkeit schenkte. Ich hatte immer das Gefühl, dass es -vielleicht abgesehen von speziellen Führungkräftetrainings, zu denen ich auch ein spezielles Verhältnis habe- wenig Beachtung erfährt. Lernende im Corporate Learning Umfeld klicken, wenn sie sich individuellen, digitalen Lernangeboten nähern, eher auf Weiterschaltflächen, Video-Play-Buttons oder Multiple-Choice-Checkboxen, anstatt in die Tastatur zu tippen. Wenn doch einmal Freitextaufgaben in E-Learning-Angebote integriert werden, dienen diese manchmal dem Aufbau einer Kontroll-Illusion: Jemand könnte lesen, was ich schreibe (de facto tut es selten jemand). Darüberhinaus werden Freitextfelder als Feedbackformulare genutzt. Aber umfassende Schreib-Aufgaben in digitale Lernangebote zu integrieren – das bleibt meist sozialen Formen des Lernens vorbehalten, in denen der Austausch und das Lernen von- und miteinander im Zentrum steht.

In den didaktisch besser aufgearbeiteten MOOCs (insbesondere auf Coursera) werden Peer Review Aufgaben genutzt: Als Teil der Prüfungsleistung sollen Freitexte geschrieben werden, die dann nach dem Zufallsprinzip mehreren weiteren Mitlernenden zur Bewertung vorgelegt werden. Manchmal findet darauf aufbauens sogar eine weitere Reflektionsaufgabe statt, in der der Impuls des Mitlernenden aufgegriffen werden soll. Mit dieser Form des Reflektierens und Zusammenfassens durch Schreiben hatte ich öfter Kontakt und finde sie, die technischen und konzeptionellen Beschränkungen berücksichtigend, die ein MOOC mit zehntausenden international Lernenden so mit sich bringt, recht brauchbar.

Wenn ich auf mein Studium zurückblicke, schätze ich (zumindest, was den Theorieteil betrifft … mein Studium war als künstlerischer Studiengang ja recht praxisintensiv) das Verfassen von Seminararbeiten (nagut, die wurden am Ende auch benotet und dienten somit als Prüfungsleistung, aber das schien mir für meinen Lernerfolg eher nebensächlich) ganz besonders. Dabei und in den Seminardiskussionen mit meinen Kommilitonen lernte ich am liebsten und am besten: „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“ … und eben auch beim Schreiben.

Auch beim bereits erwähnten Twittern oder Schreiben von Beiträgen auf LinkedIn lerne ich – mit jeweils unterschiedlicher Qualität und Einstellung.

Twitter ist für mich eher das Finden, Kondensieren, Festhalten und In-Beziehung-Setzen von Zitaten. (Tatsächlich durchstöbere ich immer wieder über Tweetdeck meine Twitter-Timeline, um genau diese Stellen wiederzufinden und aufzugreifen, die mir durch das Twittern auf 280 Zeichen ins Gedächtnis gebrannt wurden).

Auf LinkedIn habe ich viel mehr den Anspruch, etwas für meine beruflichen Kontakte ‚brauchbares‘ und minimaldurchdachtes zu veröffentlichen. Dort finde ich das Schreiben auch anstrengender, da ich viel stärker auf die Außenwirkung bedacht bin als auf allen anderen Plattformen.

Deshalb wünschte ich mir etwas dazwischen: Einen eigenen Text-Raum, in dem ich draufloszwitschern darf, wie auf Twitter, der mir aber genug Raum bietet, um nicht nur einzudampfen, sondern mich auszubreiten, Gedanken zu notieren, in Beziehung zu setzen und in eine Reihenfolge zu bringen, mit Freude an Formulierungen anzureichern, auch nicht ganz Durchdachtes stehenzulassen, Fragen zu stellen, Pläne zu schmieden und nie Verwirklichtes zu beklagen.

„Mach doch einen Blog“ hörte ich in der Vergangenheit öfter – und als ich dann über die #100DaysToOffload Challenge stieß, habe ich diese unscharfe Idee in die Tat umgesetzt.

Seitdem beobachte ich interessiert an mir selber, wie ich durch das -tendenziell eher schnelle, nicht bis zum Ende durchdachte- Schreiben lerne, beim Tippen auf neue Gedanken stoße und gefühlt immer eine angenehme Balance zwischen „Für die Öffentlichkeit schreiben“ und „Nur für mich schreiben“ finde.

Was könnten wir in der HH Session diskutieren?

Hier ein paar erste Ideen, die wir dann vor oder in der Session gemeinsam verfeinern können:

  • Praxisbeispiele für Lernen durch Schreiben im Corporate Learning
  • Beispiele außerhalb des Unternehmensumfelds, aus denen wir lernen können
  • Persönliche Erfahrungen auf den eigenen Lernprozess
  • Auswirkungen auf das Lernen beim öffentlichen und (teil-)privaten Schreiben
  • Individuelles vs. kollaboratives Schreiben
  • Unterschiede in den verschiedenen Formaten und Plattformen (z. B. ESN, Microblog, Blog, Newsletter, privates Notizbuch, Journal)
  • Blogging-Erfahrungen
  • Challenges bzw. Formate, um sich selbst zum Schreiben zu bringen (Weeknotes, etc)
  • Warum sind Wertschätzung und Feedback für die Schreibergebnisse so wichtig – und wie erreichen wir sie?
  • Schreibprozess fördern: Kreativität, Flow, Reflexion
  • Lernportfolios …? Booksprints …?
  • Brauchbare Tools für individuelles und kollaboratives Schreiben

Eigentlich wollte ich vorher noch das Buch „Digitales Schreiben“ von Philippe Wampfler zumindest überfliegen, denn es scheint eine gute Grundlage für das Thema zu sein .. mal sehen, ob ich das noch schaffe:

Und einfach, weil es so ein brillianter Einstieg ist und auch ein bisschen passend, das Zitat von Sibylle Berg: „Ich kann eigentlich nur denken, während ich schreibe.“

Ich bin sehr gespannt auf die Diskussionen und Ergebnisse der Session und werde im Nachgang sicher auch hier und den anderen Plattformen berichten.

#100DaysToOffload: Wenn Du wissen willst, warum ich diesen seltsamen Hashtag so oft verwende, lies Dir gerne die Erläuterungen zur Challenge auf https://100daystooffload.com/ durch. Vielleicht hast Du auch Lust, mitzumachen?

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