Juni 22, 2022

Zusammenfassung meiner Session auf dem

(Bild von Karen Arnold, CC0 Public Domain)

Meine On-Off-Liebe zu Social Media Plattformen

Immer wieder hadere ich mich meiner Social Media Nutzung.
Ich liebe Social Media und bin gerne bei den meisten Plattformen vorne mit dabei, um sie auszuprobieren.
Oft kommt irgendwann der Punkt, an dem ich mein Profil wieder lösche … oft aus einem diffusen, für mich selbst nicht präzise artikulierbarem Unwillen heraus. Vielleicht, weil ich mit dem Betreiberkonzern hadere (Facebook, Instagram), ich Datenschutzbedenken habe (TikTok) oder über all dem hinaus die Inhalte und Art der Nutzung für mich uninteressant werden (Clubhouse). Eine Plattform, zu der ich eine lethargische Gleichgültigkeit verspüre, ist XING. Alle paar Monate melde ich mich dort für irgendein Event an, der Rest ist mir egal.
Bei LinkedIn bin ich aus Pragmatismus und weil ich dort die meisten Menschen (Kund:innen, Kolleg:innen) finde. Einen Großteil der Inhalte finde ich haarsträubend banal oder selbstvermarkterisch. Am allerschlimmsten ist dort der undurchschaubare und völlig überregulierende Algorithmus, der nach willkürlich erscheinenden Regeln Beiträge in die eigene Timeline bringt oder Menschen zu albern anmutenden Verrenkungen verführt („Der Link zum Beitrag im ersten Kommentar“ … ich gestehe: Ich mache den Blödsinn selbst manchmal mit.)
Bisher war Twitter die Social Media Plattform meines Vertrauens. Der Algorithmus war angenehm zurückhaltend, die Kommunikation direkt, oft zwar rauh, fühlte sich aber ehrlicher an. Twitter-Beiträge schreiben ist nicht das Pimpen des beruflichen Profils und ich wiege mich in (trügerischer?) Sicherheit, dass die eigenen launigen Ergüsse schnell durch die stete Flut an neuen Tweets in Vergessenheit gespült werden. Weniger Business, mehr miteinander kommunizieren.

Aber, wie ich in meiner Sessionankündigung für das bereits schrieb:

In den letzten Monaten hat sich etwas verändert. Ich spüre, dass mich Tweets zu bestimmten Themen vermehrt triggern (habe ich dazu noch keine stabile, harmonische Echokammer gefunden?) oder ich ins Doomscrolling rutsche.
Ich achte mehr auf meine Social Media Hygiene, habe die LinkedIn- und Twitter-Apps vom Smartphone gelöscht und denke darüber nach, wann ich die Plattformen besuche und mit welchen Themen ich mich beschäftige. Das klappt, nunja … leidlich.
Als mit dem Twitter-Übernahmevorhaben von Elon Musk mal wieder der Ruf nach Alternativen laut wurde, folgte ich dem Hype und reaktivierte meinen Mastodon-Account, den ich vor einiger Zeit angelegt, dann aber schon fast vergessen hatte. Und ein Mastodon-Client hat anstelle der LinkedIn und Twitter-Apps einen Weg auf mein Smartphone gefunden …
Bisher dachte ich, Mastodon sei einfach ein dezentralisiert aufgebauter, quelloffener und gemeinnütziger Microblogging-Dienst (alles schon Gründe, ihn drölfmal sympathischer als Twitter zu finden) mit leider deutlich weniger Anwender:innen (davon aber viele Nerds?) und einer etwas verwirrenden Oberfläche (aber wer hatte sich schon auf Anhieb in Twitter zurechtgefunden?).
In den letzten Wochen habe ich aber viele Aspekte von Mastodon entdeckt, die mich glauben lassen, dass … auch über die Gemeinnützigkeit, Dezentralität und Quelloffenheit hinaus … Mastodon das bessere soziale Netzwerk sein könnte, weil sich die Menschen darin viele gute Gedanken machen, wie gesunde Kommunikation in sozialen Netzwerken abläuft und was wirklich wertvolle Aspekte in der Vernetzung mit vielen zuvor fremden Menschen sind.
Jetzt habe ich die Hoffnung, dass sich Mastodon (und das Fediverse im Allgemeinen) weiter etablieren.

Um einen kleinen Teil dazu beizutragen, habe ich auf dem #clc22 eine Session angeboten: „Mastodon als Lern-Booster! Erste Erfahrungen“.

Erfahrungen der Teilgebenden

Ich war erfreut, wie viele Teilgebende den Weg in meine Session gefunden haben. Zuvor dachte ich, mit diesem „Nischenthema“ stoße ich auf geringes Interesse. Deshalb hatte ich mich gedanklich eher auf eine nette kleine Fachsimpelei unter ein paar Social Media Nerds eingerichtet. 😉
Es kamen dann aber doch einige Menschen onsite und online zusammen. Für fast alle war Mastodon Neuland, viele brachten Erfahrung mit Twitter mit, einige waren auf Karlheinz Twitter-Session am Morgen und überlegten, sich neben ihrem Twitter-Start auch gleich noch über Mastodon zu informieren.

Aufgrund meines (überschaubaren …) dreiwöchigen Erfahrungs-Vorsprungs auf Mastodon beschlossen wir, dass ich versuche, mit den Teilgebenden die Grundprinzipien und Einstiegs-Schwellen in das Netzwerk zu klären.
In diesem Beitrag fasse ich die besprochenen Themen zusammen und ergänze einige weitere Tipps und Gedanken von mir. Falls Du den Beitrag als Inspiration für Deine eigenen ersten Schritte nehmen möchtest, freut mich das sehr! Sag dann gerne auf Mastodon Hallo und wir entdecken das „Fediverse“ gemeinsam weiter! 🙂
Du findest mich auf Mastodon unter @johannesstarke@norden.social (zum Zeitpunkt der Session war ich noch auf @jstarke@mastodon.online zu finden, bin mittlerweile aber umgezogen … was das bedeutet, warum und wie ich es getan habe, das erläutere ich unten).

Achtung: Ich bin kein Mastodon- oder Fediverse-Experte und schreibe diesen Beitrag basierend auf meinen persönlichen Erfahrungen. Bitte seht mir nach, falls sich hier der eine oder andere Patzer eingeschlichen hat. Ich freue mich über entsprechende Hinweise und Korrekturen!

Mastodon und „Fediverse“, was ist das eigentlich?

Die wichtigsten Facts zu Mastodon vorneweg:

  • Mastodon ist Teil des „Fediverse“, einem Zusammenschluss vieler verschiedener Dienste und Server, die miteinander verbunden sind.
  • Das Fediverse ist dezentral organisiert (und hat NICHTS mit Blockchain-Gedöhns zu tun … ich versuche auch, die Bezeichnung „dezentral“ gerade möglichst ideologiefrei in die Tasten zu tippen, was sicher unmöglich ist)
  • Jede:r kann einen eigenen Mastodon-Server (Instanz) betreiben, der mit den anderen Instanzen verbunden ist.
  • Manche Instanzen richten sich an Menschen aus einer Region, mit einer bestimmten Sprache oder einem thematischen Interesse.
  • Mastodon hat keinen Filteralgorithmus. Beiträge erscheinen in dem Moment, in dem sie veröffentlicht werden.
  • In der persönlichen Timeline tauchen, wie bei Twitter, alle Beiträge von Accounts auf, denen Du folgst.
  • In der „lokalen“ Timeline tauchen alle Beiträge von Accounts auf, die auf der gleichen Instanz aktiv sind wie Du.
  • In der „föderierten“ Timeline tauchen alle Beiträge von miteinander verbundenen Mastodon-Instanzen auf.
  • Die Bedienphilosophie von Mastodon ist, abgesehen von den verschiedenen Timelines, ähnlich wie Twitter.
  • Für viele der großen, kommerziellen Social Media Plattformen gibt es eine vergleichbare Alternative im Fediverse.
  • Deine Mastoden-Adresse ist vergleichbar mit einer e-Mail-Adresse: Der vordere Teil ist Dein Name, der hintere die Instanz, auf der Du angemeldet bist: @johannesstarke@norden.social

Schon jetzt verwirrt?
Keine Sorge: Der erste Einstieg in Mastodon ist ein kleines bisschen komplizierter als bei Twitter, wenn Du ein paar Grundprinzipien verstanden hast, ist die Oberfläche aber ziemlich vergleichbar.
Anders als Twitter, das wie die meisten kommerziellen Social Media Plattformen auf zentralen Servern des Anbieters läuft, ist Mastodon ein Verbund aus vielen dezentralen, miteinander in Kontakt stehenden Einzelservern. Jede Person kann theoretisch einen eigenen Mastodon-Server (Instanz) betreiben (nur für die technisch ganz versierten unter euch: Hier steht, wie’s geht …). Alternativ kann man auch einen Hoster wie mastohost beauftragen, einen eigenen Server zu hosten. Die allerallermeisten Menschen werden sich aber so wie ich einfach auf einer vertrauenswürdigen Dritt-Instanz anmelden und sich nicht die Mühe und die finanzielle Investition machen, eine eigene Instanz zu betreiben.
Die einzelnen Mastodon-Instanzen stehen (größtenteils?) im Kontakt miteinander und tauschen Informationen aus. Ich kann also auch auf der von mir gewählten Instanz nachverfolgen, was die Benutzer:innen auf den anderen Instanzen kommunizieren und mich mit ihnen vernetzen. Und darüber hinaus: Es gibt neben Mastodon weitere Dienste, die das gleiche Protokoll sprechen und mit denen Daten ausgetauscht werden. Das Protokoll heißt ActivityPub und wird u. a. von Pixelfed (einer Instagram-Alternative, ich bin unter @jstarke@pixelfed.social zu finden, bisher aber kaum aktiv), Friendica (Facebook-Alternative) oder Peertube (YouTube-Alternative) gesprochen. All diese untereinander vernetzten Dienste bilden das große „Fediverse“. Es ist sogar möglich, eure WordPress-Weblogs dort einzubinden (mehr dazu später).
Theoretisch könnten wir uns also unabhängig von den großen Plattformen machen und komplett ins Fediverse umziehen. Es müsste nur eine kritische Masse mitmachen … und hier liegt natürlich das Problem, denn die Welt besteht nicht nur aus Menschen, die gewillt sind, die Zeit und die Kompetenzen aufbringen, ihre eigenen Server aufzusetzen … (von daher ist der Ruf nach Dezentralität eher theoretischer Natur, aber das soll nicht Thema dieses Blogsposts sein. WEIL WIR ES KÖNNEN! rufe ich mit trotziger Stimme hinaus … 😉

Der Einstieg

Finde eine Instanz, die zu Dir passt!
Ich hatte mich vor längerer Zeit, weil ich es nicht besser wusste und es die meisten um mich herum so getan hatten, einfach auf einer der beiden großen, von der Mastodon gGmbH selbst betriebenen Instanz mastodon.online angemeldet. (Die andere heißt mastodon.social). Das funktioniert gut und sicher. Allerdings gibt es bei Mastodon eine Eigenschaft gegenüber Twitter, die es durchaus sinnvoll macht, eine kleinere Instanz zu wählen:
Es gibt nicht nur die Timeline mit den Beiträgen der Menschen, denen ich folge, sondern auch eine sogenannte „lokale“ Timeline, in der alle Beiträge erscheinen, die gerade von Nutzer:innen der Instanz, auf der ich mich befinde, veröffentlicht werden. Die Nachbarschaft, in der ich sein will, die mich täglich inspiriert …
Auf riesigen Instanzen wie mastodon.social sind das sehr viele in sehr vielen verschiedenen, mir unbekannten Sprachen. Denn hier tummeln sich Menschen aus vielen unterschiedlichen Ländern, die in ganz unterschiedlichen Sprachen zu ganz unterschiedlichen Themen schreiben. Kann inspirierend, aber auch überfordernd sein, wenn zu manchen Tageszeiten nur asiatische Schriftzeichen in der lokalen Timeline auftauchen. Denn es gibt ja keinen filternden Algorithmus, der Beiträge in mir unbekannten Sprachen wegfiltert (Korrektur: @Sisyphos@social.anoxinon.de hat mich dankenswerterweise darauf aufmerksam gemacht, dass es unter „Einstellungen > Weiteres“ eine Möglichkeit gibt, manuell Beiträge in der Timeline nach Sprachen zu filtern.)
Neben den großen Instanzen gibt es sehr viele kleinere, die sich oft an Menschen aus einer bestimmten Region oder mit einem bestimmten Interesse richten … z. B. norden.social für Menschen aus Norddeutschland oder bildung.social für Menschen mit Interesse für bildungsbezogene Themen.
Befinde ich mich auf einer kleineren Instanz, kann die lokale Timeline interessante Beiträge enthalten, auf die ich sonst nie gestoßen wäre. Serendipity, der glückliche Zufallsfund, entfaltet hier seine Wirkung.
Das macht Mastodon für mich zu einem Lernbooster: Ich lasse mich durch alle möglichen Beiträge, die Menschen auf norden.social schreiben, inspirieren. Grob vorausgewählt durch meine bewusste Wahl der Instanz, anschließend aber nicht mehr durch Filteralgorithmen gesteuert.

Wie findest Du die für Dich passende Instanz?
Auf der ‚offiziellen‘ Mastoden-Seite joinmastodon.org findest Du einen Katalog mit ‚vertrauenswürdigen‘ Instanzen. Das sind Instanzen, die einem bestimmten Verhaltenskodex folgen (z. B. Vorgehen gegen hetzerische Inhalte, aber auch technische Zuverlässigkeit, ausreichende Betreuung usw.) Ich empfehle Dir, hier durch die Kategorien zu stöbern, ggf. nach den von Dir gesprochenen Sprachen zu filtern und eine weder zu große noch zu kleine Instanz auszuwählen. Bevor Du einen Account auf einer Instanz eröffnest, kannst Du Dir mit Klick auf Profilverzeichnis einen Eindruck von den anderen Bewohner:innen dieser Instanz verschaffen.
Reicht Dir die Auswahl an Instanzen auf joinmastodon.org nicht? Auf instances.social findest Du einen sehr umfassenden Katalog weiterer Instanzen, die teilweise nur sehr wenige Nutzer:innen haben oder sehr spezielle Interessen andressieren. Du kannst Dir über einen Wizards Vorschläge machen lassen oder Dich einfach durch den enorm vielfältigen Katalog wühlen. Manchmal finde ich es auch spannend, durch die Bilder auf japanischen Instanzen zu stöbern …

Keine Sorge: Falls Du nach einiger Zeit merkst, dass Du doch lieber auf eine andere Instanz umziehen möchtest, ist das möglich und hier Schritt für Schritt beschrieben. Über den beschriebenen Weg nimmst Du alle Follower und Deine eigenen Follows mit, nur Deine bisherigen Beiträge werden nicht auf das neue Profil übernommen (bleiben aber weiterhin über das alte Profil auffindbar).

Die ersten Schritte

Wie auch auch anderen Social Media Diensten solltest Du zunächst Dein Profil einrichten und mit Profilbild, Kurzbeschreibung und ggf. Links zu weiteren Onlinepräsenzen von Dir ergänzen. Ich habe das Gefühl, dass auf Mastodon weniger Menschen mit ihrem Klarnamen unterwegs sind als auf anderen Plattformen. Ich habe mich für meinen Klarnamen entschieden.
Sympathisch finde ich, dass man über die Tabellenfelder im Profil bis zu vier frei benennbare Links ins Profil integrieren kann … zum Beispiel zu Deinem Blog oder Deinen Profilen auf anderen Social Media Diensten.

Anschließend solltest Du Dich vorstellen. Schreibe dazu einen Beitrag mit dem Hashtag #neuhier. Auch wenn Du Fragen zu Mastodon hast, bewirkt ein #neuhier wahre Wunder. Ich habe in einem sozialen Netz selten so viel Hilfsbereitschaft und Unterstützung erlebt wie bei Mastodon.

Wahl des Smartphone-Clients

Für Mastodon gibt es eine große Auswahl verschiedener Smartphone-Clients. Anna Nicholson hat sich die Mühe gemacht, acht verschiedene iOS-Apps ausführlich zu vergleichen. Ich habe zunächst mit offiziellen Mastoden-App begonnen, bin dann aber bald zu Metatext gewechselt, das ich als deutlich übersichtlicher und näher an der gewohnten Twitter-Experience empfinde. Für Android empfiehlt Digitalcourage die freien und quelloffenen Apps Tusky, Fedilab und Twidere“, zu denen ich mangels Android-Gerät aber nichts sagen kann.

Interessante Menschen finden und folgen

Aus meiner bisherigen Twitter-Bubble habe ich relativ wenige Menschen bei Mastodon gefunden. Vielleicht die Chance, eine neue Blase aufzubauen? Auf mein Post gab es einige Follower, denen ich gleich zurückgefolgt bin. Die lokale Timeline ist eine gute Inspiration. Außerdem gibt es Accounts wie @FediFollows@mastodon.online, die interessante Accounts kurieren und thematisch sammeln. Eine tolle Fundgrube!
Übrigens: Ich habe das Gefühl, dass die schiere Zahl von Follower bei Mastodon relativ egal scheint. Außerdem gefällt mir, dass auf einem Profil nicht direkt angezeigt wird, welche Dir bekannten Menschen diesem Account ebenfalls folgen. Das wirkt dem bekannten Twitter-Reflex entgegen, einem bestimmten Account eher zu folgen, wenn andere Accounts ihm folgen … oder umgekehrt: Menschen danach zu bewerten, welchen Accounts sie folgen. Nur eine von mehreren Beschränkungen auf Mastodon, die für eine nach meinem Empfinden weniger toxische Kommunikationskultur sorgen.

Das gefällt mir besser als auf Twitter

Generell scheint mir, die Kommunikation auf Mastodon ist deutlich freundlicher und wertschätzender als auf Twitter. Woran liegt das? Sicher zum einen an einigen Beschränkungen, die manche problematischen Aspekte von Twitter-Kommunikation unterdrücken:

  • Durch ‚Favorisieren‘ (das Äquivalent zum ‚Gefällt mir‘ auf Twitter) werden Beiträge nicht nach oben gepusht/sichtbarer. Ein Fav scheint eher eine Art anerkennendes Kopfnicken: Wertschätzend für Autor:innen, sonst für nichts und niemanden relevant.
  • Relevanz entsteht durch Antworten, echte Kommunikation. Auf Mastodon, so scheint es mir, gibt es viel häufiger eine Replik (auch wenn sie noch zu kurz ist, z. B. ein „Danke“), dafür tendenziell weniger Likes.
  • Es gibt kein Äquivalent für „Tweet zitieren“. Diese Funktion scheint von vielen Menschen, die Twitter gewöhnt sind, vermisst zu werden, aber nachdem ich eine Erläuterung von Eugen Rochko, dem Entwickler von Mastodon dazu gelesen habe, habe ich den Grund nachvollziehen können: „You are tempted to quote when you should be replying, and so you speak at your audience instead of with the person you are talking to. It becomes performative. Even when doing it for „good“ like ridiculing awful comments, you are giving awful comments more eyeballs that way.“ (Quelle)
  • Suchen lässt sich nur nach Hashtags, nicht nach beliebigen Begriffen. Es werden also nur Beiträge zu Begriffen auffindbar von der die Autoren wollten, dass sie auffindbar sind.
  • Du kannst einstellen, dass Deine Beiträge nach einigen Tagen automatisch gelöscht werden. Das gibt Dir eventuell Sicherheit, dass Dir nicht irgendwann Uralt-Beiträge mit Aussagen vorgehalten werden, zu denen Du Deine Meinung längst revidiert hast.
    Hier findest Du einen ausführlicheren Text darüber, welche Designentscheidungen Mastodon getroffen hat, um gegen toxisches Verhalten vorzugehen.

Vielleicht ist der Grund, warum sich Mastodon für mich so freundlich anfühlt, auch ein ganz anderer. Wenn wir ein „Anti-Twitter“ sein wollen, vermeiden wir bewusster Verhaltensweisen, die wir auf Twitter nicht schätzen?
Ich bin gespannt, ob irgendwann Trolls ihren Weg zu Mastodon finden. Bisher sind mir keine begegnet …

Schattenseiten von Mastodon …

… gibt es auch. Die größte Mastodon-Instanz ist beispielsweise „Gab“, auf der sich vorwiegend Nazis und Rechtsextreme tummeln. Die meisten anderen Mastoden-Instanzen haben den Datenaustausch mit Gab blockiert, so dass diese größtenteils isoliert ist. Isoliert, aber eben riesig.

Weiterhin frage ich mich natürlich, wie lange Mastodon so freundlich bleibt, wie es sich aktuell für mich anfühlt. Ein dezentrales, kaum regulierbares System kann sehr anfällig für Hate Speech etc sein.

Mastodon als ESN in Organisation?

Ich frage mich, welche Organisationen Mastodon bereits intern einsetzen? Ich weiß bisher nur von verschiedenen Behörden, die in Mastodon eine datenschutzkonforme Plattform gefunden haben. Verschiedene Landes- und Bundesbehörden betreiben eigene Mastodon-Server, auf denen sich auch nur behördliche Accounts und andere öffentliche Stellen registrieren dürfen (z. B. social.bund.de oder bawü.social). Auch die Europäische Union hat kürzlich zwei Angebote im Fediverse gestartet: EU Voice (Mastodon) und EU Video (Peertube).
Könnte Mastodon nicht auch organisationsintern als Enterprise Social Network dienen? Durch die fein steuerbaren Sichtbarkeitseinstellungen könnte man so theoretisch sowohl interne Kommunikation als auch Kommunikation nach außen auf einer eigenen, selbstgehosteten Plattform laufen lassen, oder? Die, denen das verständlicherweise zu heikel ist, könnten die Instanz rein intern laufen lassen? Wenn jemand entsprechende Projekte kennt, würde ich mich sehr über einen Austausch freuen!

Mastodon als Lernbooster: Diversität und Serendipity!

In meiner Session wurde berechtigterweise nachgefragt, welche lernförderlichen Aspekte ich in Mastodon entdecke.

Über die generellen Vorteile der Nutzung einer Plattform wie Mastodon oder Twitter brauche ich an dieser Stelle keine tiefergehenden Worte verlieren … denn das haben Karlheinz Pape und viele weitere Menschen schon exzellent beschrieben (siehe z. B. den Twitter als Lernbooster Artikel von Karlheinz). All die Argumente von Karlheinz übernehme ich für Mastodon.

Besonders lernförderlich halte ich auf Mastodon den Aspekt der Serendipity, des glücklichen Zufalls, in Verbindung mit der Abwesenheit des Algorithmus. Viel mehr als auf Twitter besteht auf Mastodon die Möglichkeit, mit neuen, unbekannten und resonierenden Inhalten in Kontakt zu kommen. Mastodon ist das Anti-Rabbithole. Nicht immer mehr vom Gleichen, keine verstärkenden Echokammern, sondern die Chance, mit einem Klick das Tröten der ganzen Umgebung um die Nase wehen zu lassen! Hinaus aus der wohlgepflegten eigenen Timeline hinein in die Vielfalt der lokalen und der föderierten Timelines. In echtem Austausch statt flachen Likes.

Weitere Tipps und Tricks für Fortgeschrittene

Crossposter

Es gibt einen Twitter <> Mastodon Crossposter. Die Regeln zum Crossposten lassen sich sehr fein einstellen. Üblicherweise bin ich kein Freund von Crossposting, weil ich glaube, dass jedes soziale Netzwerk eigenen Regeln folgt, die beim Posten entsprechend beachtet werden sollten. Wenn ich aber auf Events wie dem oder der re:publica bin, fehlt mir einfach die Zeit, beide Dienste manuell mit eigenen Beiträgen zu pflegen. Deshalb habe ich eingestellt, dass Beiträge mit den Hashtags und automatisch auf beiden Diensten erscheinen, andere hingegen nicht.

Erweiterte UI

Wenn man in Mastodon die erweiterte UI aktiviert, erhält man einen Funktionsumfang, der an Tweetdeck erinnert. Ich habe mich mit den Möglichkeiten noch nicht detailliert auseinandergesetzt.

WordPress-Blogs ins Fediverse integrieren

Mit dem ActivityPub-Plugin für WordPress machst Du Dein Blog ActivityPub tauglich. Das bedeutet, dass Menschen im Fediverse Deinem Blog folgen können. Leider habe ich aber noch nicht geschafft, das Plugin für mein Blog zum Laufen zu bringen. Theoretisch sollte es über @johannesstarke@johannes-starke.de auffindbar sein. Ich hoffe, ich finde den Fehler noch …

Weitere hilfreiche Artikel

Die folgenden Artikel haben mir beim Start mit Mastodon geholfen:

Übersichtliche auf die wichtigsten Einstiegshilfen konzentrierte Kurzanleitung von Nele Hirsch AKA eBildungslabor

Eine mit vielen Hintergrundinformationen zum Fediverse, den verschiedenen Plattform-Alternativen und Folgeempfehlungen angereicherter Artikel von Digitalcourage

Ausführliche und mit vielen strukturellen und technischen Hintergründen versehene Beschreibung und Illustrieren des Fediverse vom Datenschutz-Experten Mike Kuketz

Eine der ersten Artikel, die mich von der besseren Kommunikationskultur auf Mastodon überzeugt hat, ist der vom aktiven und hilfreichen Tröster Aljoscha Rittner.

Ein persönlicher Erfahrungsbericht von Thomas Jansen, der mir aus dem Herzen spricht: „Ich habe dort mein Social-Media-Zuhause gefunden. Tolle Menschen, Interaktion ohne Ende, gute Diskussionen und eine interessante Timeline, die nicht von einem Algorithmus gesteuert wird. Es fühlt sich ein wenig an, wie Twitter in den ersten Jahren, auch wenn es in vielen Bereichen nicht vergleichbar ist.“

Gute Podcasts über oder aus dem Fediverse habe ich leider kaum gefunden … diese Folge „Besser – der Podcast“ ist eine erwähnenswerte Ausnahme

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