2 Comments

Januar 19, 2021

Das ist Beitrag 11/100 der #100DaysToOffload-Challenge. Mein Ziel ist, hier mindestens 100 Beiträge im Jahr 2021 zu schreiben. So möchte ich für mich das Bloggen zur Gewohnheit machen.

Ich habe zwei erschöpfende Tage hinter mir. Tage, in denen wir zwischen Ärztinnen und Krankenhäusern hin- und her gefahren sind. Die Gründe dafür waren nicht unbedingt besorgniserregend. Ich könnte durchatmen und mit Zuversicht die Befunde betrachten. Aber so ist mir nicht. Ich bin platt.

Nichts lag mir vorhin beim Ankommen zu Hause ferner als die . Lasse ich den Abend ruhen – den zweiten in Folge? Die Anderen machen das auch – …… ein beruhigender Blick in die Blogs der Mitschreibenden … .

Aber dann brachte ich meinen Sohn ins Bett und las ihm vor. Wir haben erst vorgestern „Der Herr der Diebe“ von Cornelia Funke begonnen. Nach den „Vorstadtkrokodilen“ freue ich mich jetzt besonders sehr über die Sprache unseres neuen Vorlesebuches. Und wie fast jeden Abend genoss ich das Vorlesen an sich. Die Wörter formen. Die italienischen Namen sprechen. Die immer neuen Versuche, Tempo, Anspannung, Erleichterung, Belustigung, Gewalt … in meine Stimme zu legen. Etwas damit zu spielen. Meine Müdigkeit zu verschlucken, die mein Sohn natürlich hört und mich durch Stupsen erinnert, dass das Kapitel noch nicht zu Ende ist.

Und als das Buch dann zugeschlagen … , das Licht aus …, ich dem ruhiger werdendem Atmen neben mir lauschte … da hatte ich doch noch ein Thema für den heutigen kurzen Eintrag: Stimme.

(Achja, kein Club*****-Beitrag heute. Ich bin fasziniert vom Hype um diese Plattform und werde mich in den nächsten Tagen vielleicht auch daran versuchen, aber heute noch nicht.)

Stimme. Ich liebe es, Stimme zu lauschen und ich habe auch Freude daran, meine eigene Stimme auszuprobieren. Vorzulesen. Und Mikrofontests.

Heute wurde auch mein Mikrofon geliefert, dass ich angeregt durch Twitterei nach meinem vorletzten Beitrag bestellt hatte. Zwischen zwei Terminen stöpselte ich es ein. Und hörte, dass ich da rein auch flüstern kann, und abrupt einatmen, und mit den Lippen blubbern und sowas machen, was wir damals beim Uniradio taten, um Lippen zu lockern und Schmatzen zu mindern – und dass es das alles aufnahm, wenn ich es aufnahm.

Ich habe Lust, etwas in dieses Mikrofon zu sprechen. So, wie ich es manchmal tat, wenn ich in einem Hotel war, Jenny und ich aber noch ein Buch daheim hatten, das noch nicht fertig vorgelesen war. Damals lauschte mir mein iPhone und die Qualität war lausig. Aber jetzt steht hier gefühlt ein halbes Radiostudio auf meinem Schreibtisch. Wenn dann von links die Schreibtischlampe und von rechts das Mikrofon am Federarm hängen, dann sitze ich in Gedanken im Keller des Radiostudios B11 meiner alten Uni. Montagabend hatten wir Sendezeit. Ich habe keine Ahnung, ob uns jemals jemand hörte, aber wir: Sendeten! Lasen Texte, unterdrückten Lachen oder alberten einfach und drehten an den Reglern. Der (temporär gelesene) Dickreiter steht seitdem in meinem Regal, aber ich habe trotzdem wenig Ahnung, wie ich eine Stimme ‚schön drehe‘ … eher ‚seltsam‘.

Ich erinnere mich, als ich meinen Freund Kristoffer zum ersten Mal nicht mehr nur privat, sondern auch stimmmodulierend auf der Schauspielbühne hörte. Viel beeindruckender als Mimik und Gestik waren von ihm so völlig ungekannte Agression, Wut, Hohn und Spott, die er gekonnt in seine Stimme legte. Und wie sehr ich das Tasten und Malen der Stimme von Susann bewunderte, die in ihren Hörspielen Biographien aufbaut! Wie ich auch Vocoder und Autotune liebe, die Stimmen zerlegen und wie Lego neu zusammensetzen oder völlig zerstören, wie Haiyti auf ihrer allerbesten „Jango“ EP. Oder Nick Cave, dessen Stimme ein Bühnenstück ist, das er in sich selbst verschluckt. Wenn Kate Tempest Stimme lamentiert, rennt, stolpert, innehält. Meret Becker. Blixa Bargeld. Das überschnappende Kreischen, Husten, Spucken von Screamo und Black Metal Künstlern. Oder natürlich der Jubiläums-Klassiker, Beuys: Ja Ja Ja Ne Ne Ne.

Gibt es Sprechtraining eigentlich auch online? Was mache ich denn jetzt mit meinem Mikrofon, außer diesen langweiligen Videokonferenzen? Gibt es eine Challenge auch für Stimmbeiträge?

#100DaysToOffload: Wenn Du wissen willst, warum ich diesen seltsamen Hashtag so oft verwende, lies Dir gerne die Erläuterungen zur Challenge auf https://100daystooffload.com/ durch. Vielleicht hast Du auch Lust, mitzumachen?

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  1. Manchmal liegt das Gute näher als man denkt, lieber Johannes. Die Suche nach sinnstiftendem und spassbringendem Einsatz Deines tollen neuen Mikrofons kann ich Dir nicht abnehmen, aber ich kann den Tipp geben, dass Brigitte bei uns intern schon mehrmals Stimmtrainings gegeben hat und ich schon länger versuche, sie zu einem 'Friday for Learning' zu diesem Thema zu überreden. Frag doch auch mal nach 😉

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